Der pseudogrüne Florian

Posted on 10. Juni 2008


Der Steyregger Bürgermeister Josef Buchner wird versehentlich des Öfteren als Grüner gehandelt. Mit den Parlamentsgrünen hatte er freilich nie wirklich etwas zu tun, höchstens dass er von 1986 bis 1990 in der damaligen von Freda Meissner-Blau geführten Parlamentsfraktion als Vertreter der sehr rechtslastigen Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ) saß.

Gestützt auf die örtliche Steyregger Bürgerinitiative für Umweltschutz (SBU) die bereits 1979 in den Gemeinderat einzog wurde Buchner 1997 per Direktwahl zum Stadtoberhaupt gewählt und 2003 bestätigt. Steyregg und Ottensheim sind die einzigen Gemeinden in ganz Oberösterreich, die nicht von VertreterInnen von ÖVP, SPÖ oder FPÖ die Gemeinde geführt werden.

Nun könnte man er warten, dass ein aus der Ökologie-Bewegung kommender Bürgermeister eine besondere Sensibilität in Umwelt- und Verkehrsfragen hat. Doch Buchner belehrt uns eines Besseren: Weil im Zuge des ständigen Anwachsens des Autoverkehrs im Linzer Umland sich auch der Durchzugsverkehr durch den Steyregger Ortsteil Plesching – gut vier Kilometer von Steyregg direkt am Ortsende von Linz-Urfahr gelegen – verstärkt hat, wurde eine geniale Idee geboren.

Mit einer Umfahrung soll das Problem gelöst werden. Das ganze hat nur einen Schönheitsfehler: Nicht nur, dass diese Umfahrung teilweise auf Linzer Stadtgebiet und direkt am Naherholungsgelände Pleschinger vorbeigeführt werden soll und nur für wenige Menschen eine Entlastung bringt, wurde von Buchner & Co. auch gezielt verabsäumt mit der Stadt Linz Gespräche darüber aufzunehmen. Kein Wunder, dass die Linzer PolitikerInnen daher alles andere als begeistert über das Vorhaben sind.

Buchner ficht das freilich nicht an. Mit einer lokalen Bürgerbefragung in Plesching machte er Druck. Zwar nahmen nur 478 von 778 Wahlberechtigten teil, von denen sich 283 für und 192 gegen die Umfahrung aussprachen was die Dringlichkeit und Bedeutung des Projekts doch sichtlich relativiert. Für Buchner ist damit klar, dass die Umfahrung gebaut wird. Da hat er freilich die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Der zuständige Baureferent LHStv. Hiesl (ÖVP) ist zwar ein begnadeter Betonierer und möchte am liebsten jeden Sonntag eine neue Umfahrung eröffnen. Doch das Projekt  ist nicht im Straßenbauprogramm und demnach geht vor 2015 gar nichts. Hiesl ließ den selbstherrlichen Steyregger Ortschef recht unelegant abblitzen: „Buchner hat suggeriert: Da braucht man nur aufzeigen und schon kommen die Bagger vom Hiesl … Buchner hat ja noch nicht einmal eine Lösungsvariante. Er hat ja nur ein paar Striche auf der Landkarte.“. Was dieser wiederum mit der Aussage „Ich bin entsetzt über so viel Unehrlichkeit. Das kommt einer Verhöhnung der Pleschinger gleich“ kommentiert und die beleidigte Leberwurst spielt.

Einmal mehr zeigt sich, das das sattsam bekannte „Floriani-Prinzip“ – zünd´ das Haus vom Nachbarn an, aber verschone meines – nach wie vor auch bei angeblich Ökobewegten voll im Schwange ist. Im konkreten Fall also die Auswirkungen des Durchzugsverkehrs via Umfahrung anderen anzulasten. Von einer grundsätzlichen Hinterfragung der gängigen auf den Individualverkehr fixierten Verkehrspolitik ist dabei natürlich keine Rede. Womit sich Buchner als pseudogrüner Florian erweist…

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